E-Zigaretten und Wissenschaft – was sagen Studien wirklich?

Was aktuelle Studien über E-Zigaretten, Rauchstopp, Schadstoffbelastung und mögliche Langzeitrisiken zeigen.
23. September 2026 durch
Timo Fischer
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E-Zigarette statt Tabakzigarette: Was sagt die Wissenschaft?​

Über E-Zigaretten wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Während sie teilweise mit dem Rauchen von Tabak gleichgesetzt werden, betrachten andere sie als Möglichkeit zur Schadensminimierung für erwachsene Raucher.

Für eine sachliche Bewertung ist deshalb eine Unterscheidung besonders wichtig:

Eine E-Zigarette ist nicht risikofrei. Aber „nicht risikofrei“ bedeutet nicht automatisch, dass ihr gesundheitliches Risiko mit dem Rauchen einer Tabakzigarette gleichzusetzen ist.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Verbrennung. Bei einer klassischen Zigarette wird Tabak verbrannt. Dabei entsteht Rauch mit zahlreichen gesundheitsschädlichen Substanzen.

Bei einer E-Zigarette findet dagegen keine Tabakverbrennung statt. Ein Liquid wird erhitzt und als Aerosol inhaliert. Auch dieses Aerosol kann gesundheitlich relevante Stoffe enthalten – die E-Zigarette ist deshalb kein harmloses Produkt.

Für erwachsene Raucher ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Was verändert sich, wenn die Verbrennungszigarette vollständig durch eine E-Zigarette ersetzt wird?

Genau diese Frage untersuchen inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten.

Können E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen?

Eine der wichtigsten Fragen lautet, ob E-Zigaretten erwachsenen Rauchern tatsächlich dabei helfen können, dauerhaft von der Tabakzigarette wegzukommen.

Eine besonders wichtige Quelle hierfür ist die internationale Forschungsorganisation Cochrane. Im August 2026 wurde die systematische Übersichtsarbeit zu E-Zigaretten und Rauchstopp erneut aktualisiert. Dabei werden nicht nur einzelne Untersuchungen betrachtet, sondern die Ergebnisse zahlreicher wissenschaftlicher Studien gemeinsam ausgewertet.

Die aktuelle Evidenz zeigt: Mit nikotinhaltigen E-Zigaretten schaffen es mehr Menschen, langfristig mit dem Rauchen aufzuhören, als mit klassischer Nikotinersatztherapie wie Nikotinpflastern oder Nikotinkaugummis.

Cochrane findet außerdem Hinweise auf einen Vorteil nikotinhaltiger E-Zigaretten gegenüber E-Zigaretten ohne Nikotin.

Das bedeutet jedoch nicht, dass E-Zigaretten gesund oder risikofrei sind. Die wissenschaftliche Fragestellung ist eine andere: Können sie erwachsenen Rauchern dabei helfen, die Verbrennungszigarette vollständig aufzugeben?

Nach dem aktuellen Stand der Cochrane-Auswertung gibt es dafür inzwischen gute wissenschaftliche Evidenz.

Quelle: Cochrane Review, aktualisiert 2026

Prof. Dr. Bernd Mayer und die Forschung der Universität Graz

Mit der E-Zigarette beschäftigt sich die Wissenschaft bereits seit vielen Jahren. Einer der Forscher, die sich früh intensiv mit diesem Thema auseinandersetzten, ist Prof. Dr. Bernd Mayer von der Universität Graz.

Gemeinsam mit Prof. Peter Hajek von der Queen Mary University of London untersuchte Mayer ehemalige Raucher, die von der Tabakzigarette auf die E-Zigarette umgestiegen waren.

An der veröffentlichten Online-Befragung nahmen 941 ehemalige Tabakraucher teil, die mindestens zwei Monate zuvor auf E-Zigaretten umgestiegen waren.

Etwa zwei Drittel der Befragten berichteten über eine Verbesserung ihrer Atemwegsbeschwerden. 29 Prozent bemerkten keine Veränderung, während fünf Prozent eine Verschlechterung angaben.

Diese Ergebnisse sind interessant, müssen aber richtig eingeordnet werden: Es handelte sich um eine Befragung und nicht um eine langjährige kontrollierte klinische Studie. Die Universität Graz wies selbst darauf hin, dass weitere klinische Untersuchungen notwendig sind.

Die Untersuchung liefert daher keinen Beweis dafür, dass E-Zigaretten unschädlich sind. Sie zeigt vielmehr, welche Veränderungen ehemalige Raucher nach ihrem Umstieg selbst wahrgenommen und berichtet haben.

Quelle: Universität Graz, Publikation 2016

Schadstoffvergleich  zwischen Zigarette, Shisha, Tabakerhitzer und E-Zigarette – wo liegen die Unterschiede?

Einen interessanten Vergleich veröffentlichte die Bundesregierung bereits im Drogen- und Suchtbericht 2019. Darin wurden auf Grundlage einer Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) verschiedene Nikotin- und Tabakprodukte gegenübergestellt.

Beim Schadstoffgehalt der Emissionen wurden Tabakzigaretten und Wasserpfeifen mit einer sehr hohen Belastung eingeordnet. Bei Tabakerhitzern wurde die Schadstoffbelastung als deutlich reduziert und bei E-Zigaretten als stark reduziert beschrieben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich daraus eine einfache Rangliste ableiten lässt, nach der E-Zigaretten harmlos wären. Schadstoffbelastung und tatsächliches langfristiges Gesundheitsrisiko sind nicht dasselbe.

Auch das Bundesgesundheitsministerium veröffentlichte später einen vom Ministerium geförderten wissenschaftlichen Review des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Die Kernaussage: E-Zigaretten sind im Vergleich zu Tabakzigaretten weniger schädlich, aber keine harmlosen Konsumprodukte.

Bei Wasserpfeifen ist ebenfalls Vorsicht geboten. Das BfR weist darauf hin, dass Shisharauch gesundheitsschädliche Stoffe enthält und Wasserpfeifen deshalb keine harmlose Alternative zur Zigarette darstellen.

Quellen: Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2019, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Bundesgesundheitsministerium/DKFZ


Warum macht die Verbrennung einen so großen Unterschied?

Beim Rauchen einer klassischen Zigarette wird Tabak verbrannt. Dabei entstehen zahlreiche gesundheitsschädliche Substanzen.

Bei einer E-Zigarette findet diese Tabakverbrennung nicht statt. Das Liquid wird erhitzt und es entsteht ein Aerosol.

Das bedeutet nicht, dass dieses Aerosol ausschließlich harmlose Stoffe enthält. Auch beim Dampfen können gesundheitlich relevante Substanzen aufgenommen werden.

Der Verzicht auf die Tabakverbrennung erklärt jedoch, warum sich die Schadstoffbelastung von E-Zigaretten und Tabakzigaretten deutlich unterscheiden kann.

Für einen erwachsenen Raucher ist deshalb nicht nur die Frage wichtig, ob eine E-Zigarette Risiken besitzt, sondern auch, wie diese Risiken im Vergleich zum weiteren Rauchen von Tabakzigaretten einzuordnen sind.

Warum der vollständige Umstieg entscheidend ist

Wer E-Zigaretten zur Schadensminimierung nutzt, sollte einen entscheidenden Punkt beachten: Zusätzliches Dampfen macht das Rauchen nicht ungefährlich.

Wer weiterhin regelmäßig Tabakzigaretten raucht, bleibt den beim Verbrennen von Tabak entstehenden Schadstoffen ausgesetzt.

Auch internationale Gesundheitsinstitutionen wie der britische National Health Service (NHS) betonen deshalb, dass ein möglicher gesundheitlicher Vorteil des Umstiegs vor allem dann erreicht wird, wenn das Rauchen vollständig beendet wird.

Das Ziel eines Umstiegs sollte deshalb nicht sein, dauerhaft gleichzeitig zu rauchen und zu dampfen, sondern die Verbrennungszigarette vollständig hinter sich zu lassen.

Quelle: National Health Service (NHS)


Was wissen wir über mögliche Langzeitfolgen?

Bei der Bewertung von E-Zigaretten begegnet man häufig der Frage: Gibt es bereits Langzeitstudien?

Mittlerweile existieren mehrjährige Beobachtungsstudien und große Forschungsprogramme, die den Konsum von E-Zigaretten und gesundheitliche Entwicklungen über längere Zeiträume untersuchen.

Trotzdem ist die Datenlage nicht mit der jahrzehntelangen Forschung zum Tabakrauchen vergleichbar. Die gesundheitlichen Folgen einer jahrzehntelangen ausschließlichen Nutzung von E-Zigaretten können deshalb heute noch nicht mit derselben Sicherheit beurteilt werden.

Immer wieder werden im Internet vermeintliche 10-, 12- oder 13-jährige Langzeitstudien genannt. Solche Angaben müssen genau geprüft werden. Einzelne Fallberichte oder Studien, deren Beobachtungszeitraum mehrere Jahre umfasst, sind nicht automatisch der Beweis für die gesundheitliche Unbedenklichkeit einer jahrzehntelangen E-Zigaretten-Nutzung.  

Deshalb gehört zu einer seriösen Betrachtung auch diese Aussage:

Wir wissen heute wesentlich mehr über E-Zigaretten als noch vor einigen Jahren – aber bei sehr langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen bestehen weiterhin offene Fragen.


E-Zigaretten sind nicht für Nichtraucher gedacht

Eine geringere Schadstoffbelastung gegenüber verbranntem Tabak bedeutet keinesfalls, dass Nichtraucher mit dem Dampfen beginnen sollten.

E-Zigaretten können Nikotin enthalten. Nikotin besitzt ein Abhängigkeitspotenzial. Darüber hinaus können Aerosole weitere gesundheitlich relevante Substanzen enthalten.

Insbesondere Kinder, Jugendliche und Nichtraucher sollten deshalb nicht mit dem Konsum von E-Zigaretten beginnen.

Die wissenschaftliche Diskussion über Schadensminimierung betrifft vor allem eine andere Personengruppe: erwachsene Menschen, die bereits Tabakzigaretten rauchen und nach einer Möglichkeit suchen, vollständig vom Rauchen wegzukommen.


Warum kommen Institutionen teilweise zu unterschiedlichen Aussagen?

Wer sich mit E-Zigaretten beschäftigt, findet teilweise sehr unterschiedliche Aussagen von Wissenschaftlern, Behörden und Gesundheitsorganisationen.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich die wissenschaftlichen Ergebnisse widersprechen.

Häufig werden schlicht unterschiedliche Fragen untersucht.

Cochrane beschäftigt sich beispielsweise sehr konkret damit, ob E-Zigaretten Menschen beim Rauchstopp helfen können.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung untersucht unter anderem Inhaltsstoffe, Emissionen und gesundheitliche Risiken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet zusätzlich Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung und legt besonderes Augenmerk auf den Konsum durch Jugendliche und Nichtraucher.

Branchenverbände wie VDEH und BfTG vertreten wiederum Unternehmen der E-Zigaretten- beziehungsweise Tabak- und Nikotinbranche. Ihre Veröffentlichungen können zusätzliche Informationen und Positionen liefern, sind aber nicht mit unabhängiger wissenschaftlicher Forschung gleichzusetzen.

Deshalb ist es wichtig, immer zu fragen: Wer macht eine Aussage, auf welche Daten stützt sie sich und welche konkrete Frage wurde untersucht?


Was können erwachsene Raucher aus der Forschung mitnehmen?

Der heutige Forschungsstand zeichnet kein Schwarz-Weiß-Bild.

E-Zigaretten sind nicht risikofrei.

Gleichzeitig gibt es deutliche Unterschiede zwischen dem Erhitzen eines Liquids und dem Verbrennen von Tabak.

Für die Rauchentwöhnung liefert insbesondere der aktuelle Cochrane Review 2026 wichtige Erkenntnisse: Nikotinhaltige E-Zigaretten können erwachsenen Rauchern dabei helfen, dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören, und zeigten in den ausgewerteten Studien höhere Rauchstoppraten als klassische Nikotinersatztherapien.

Gleichzeitig bestehen insbesondere hinsichtlich einer jahrzehntelangen Nutzung weiterhin offene Forschungsfragen.

Die wissenschaftlich sauberere Frage lautet deshalb nicht:

„Ist Dampfen gesund?“

Sondern:

„Wie unterscheiden sich die Risiken des Dampfens vom weiteren Rauchen – und kann die E-Zigarette einem erwachsenen Raucher dabei helfen, vollständig von der Tabakzigarette wegzukommen?“

Unser Fazit

Die gesundheitlich beste Entscheidung ist und bleibt: weder rauchen noch dampfen.

Für einen Nichtraucher gibt es keinen gesundheitlichen Grund, mit einer E-Zigarette anzufangen.

Für einen erwachsenen Raucher stellt sich jedoch eine andere Frage. Wer weiterhin Tabakzigaretten raucht, setzt sich den Schadstoffen der Tabakverbrennung aus. Wer vollständig auf eine Alternative ohne Tabakverbrennung umsteigt, verändert diese Schadstoffexposition.

Die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zeigt außerdem, dass nikotinhaltige E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können.

Dabei sollte jedoch weder verharmlost noch übertrieben werden: E-Zigaretten sind nicht harmlos, aber ihre Risiken sollten wissenschaftlich auch nicht einfach mit denen der Tabakzigarette gleichgesetzt werden.

Wer den Umstieg erwägt, sollte sich informieren und das Ziel nicht aus den Augen verlieren: weg von der Verbrennungszigarette.


FAQ

Frage 1:

Sind E-Zigaretten gesund?

Antwort:

Nein. E-Zigaretten sind nicht risikofrei. Wissenschaftliche Bewertungen zeigen jedoch Unterschiede zwischen der Schadstoffbelastung beim Dampfen und beim Rauchen von verbranntem Tabak.

Frage 2:

Können E-Zigaretten beim Rauchstopp helfen?

Antwort:

Ja. Der aktuelle Cochrane Review 2026 liefert gute wissenschaftliche Evidenz dafür, dass nikotinhaltige E-Zigaretten Menschen beim Rauchstopp helfen können. In den ausgewerteten Studien waren die Rauchstoppraten höher als bei klassischer Nikotinersatztherapie wie Pflastern oder Kaugummis.

Frage 3:

Ist Dampfen weniger schädlich als Rauchen?

Antwort:

E-Zigaretten vermeiden die Verbrennung von Tabak und weisen deshalb eine andere Schadstoffexposition auf. Auch das Bundesgesundheitsministerium verweist auf Bewertungen, nach denen E-Zigaretten gegenüber Tabakzigaretten weniger schädlich, aber keineswegs harmlos sind.

Frage 4:

Gibt es Langzeitstudien zu E-Zigaretten?

Antwort:

Es gibt inzwischen mehrjährige Beobachtungsstudien und Längsschnittdaten. Die Auswirkungen einer jahrzehntelangen ausschließlichen Nutzung von E-Zigaretten sind jedoch noch nicht so umfassend untersucht wie die Folgen des Tabakrauchens.

Frage 5:

Ist gleichzeitiges Rauchen und Dampfen sinnvoll?

Antwort:

Wer weiterhin Tabakzigaretten raucht, bleibt den Schadstoffen der Tabakverbrennung ausgesetzt. Für eine Schadensminimierung ist deshalb der vollständige Ausstieg aus der Verbrennungszigarette entscheidend.

Frage 6:

Sollten Nichtraucher E-Zigaretten verwenden?

Antwort:

Nein. Nichtraucher – insbesondere Kinder und Jugendliche – sollten nicht mit dem Dampfen beginnen. Die Diskussion über E-Zigaretten als Alternative betrifft vor allem erwachsene Menschen, die bereits rauchen.


Quellen und weiterführende Informationen

Dieser Beitrag basiert unter anderem auf Veröffentlichungen und Bewertungen von:

Cochrane – aktuelle systematische Übersichtsarbeit zu E-Zigaretten und Rauchentwöhnung, Update 2026

Universität Graz – Forschung und Veröffentlichungen von Prof. Dr. Bernd Mayer zur E-Zigarette

Bundesministerium für Gesundheit (BMG) / Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) – Review zu E-Zigaretten und Tabakerhitzern

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) – gesundheitliche Bewertung von E-Zigaretten, Tabakprodukten und Wasserpfeifen

Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung 2019 – Vergleich verschiedener Tabak- und Nikotinprodukte

National Health Service (NHS) – Informationen zum vollständigen Umstieg und Rauchstopp

Weltgesundheitsorganisation (WHO) – gesundheitliche Risiken von E-Zigaretten und Schutz von Nichtrauchern und Jugendlichen

Hinweis: Wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich weiter. Der Beitrag gibt den bei Erstellung recherchierten Wissensstand wieder und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung.


Timo Fischer 23. September 2026
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